Schleimhauttherapeutika

Sanfte und effektive Hilfe aus der Natur


 

In der heutigen Zeit leiden leider sehr viele Hunde unter Magen-Darm-Beschwerden, die sich in Übersäuerung, Gastritiden oder empfindlicher Verdauung spiegeln. Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit für unsere Hunde. Meist werden von tierärztlicher Seite pharmazeutische Magenblocker eingesetzt, um die Magensäureproduktion zu reduzieren und die gereizte Schleimhaut zu schützen. Doch die Natur hält sehr wirkungsvolle Alternativen bereit, und zwar sogenannte Schleimstoffe. Diese dienen als Schleimhautschutz und legen sich wie ein Gelfilm auf gereiztes und entzündetes Gewebe, ohne den natürlichen Säurehaushalt des Magens zu stören. Sie dienen als Schutzbarriere und wirken reizlindernd, entzündungshemmend und vor allem wundheilungsfördernd.

 

Hierunter fallen bestimmte Nahrungsmittel wie Haferschleim, Congee oder auch Leinsamenschleim. Aber auch verschiedene Kräuter und Hölzer liefern Schleimstoffe, wie z. B. die Eibischwurzel, Ulmenrinde oder auch die Malvenblüten. Sie sind daher wertvolle Heilmittel, die bereits seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt und geschätzt werden. Diese natürlichen Helfer zeichnen sich durch ihre vielseitigen Wirkungen aus, indem sie einen effektiven Schutz bieten und die Schleimhäute vor weiteren Irritationen bewahren. Drei dieser geschätzten Helfer möchte ich einmal erläutern. Sie sind vielseitig einsetzbar, haben allerdings unterschiedlichen Schwerpunkte und Anwendungsbereiche vorzuweisen.

 

Wirkungsbereich

 

Eibischwurzel

Eibisch (Althaea officinalis) gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und ist besonders für seinen hohen Gehalt an Schleimstoffen bekannt. Vor allem die Wurzel enthält wertvolle Polysaccharide wie Pektin, Arabinoxylan und Galacturonsäure. Diese natürlichen Schleimstoffe wirken beruhigend und feuchtigkeitsspendend auf die Schleimhäute.

Die Schleimstoffe der Eibischwurzel haben eine schützende und beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, der Atemwege und der Harnwege. Sie bilden eine schützende Barriere auf gereizten Schleimhäuten, was sie besonders bei Husten, Bronchitis, Halsschmerzen und Magenreizungen nützlich macht. Die beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute kann auch bei der Behandlung von gastroösophagealem Reflux (GERD) und Magenbeschwerden hilfreich sein, da sie eine lindernde Wirkung auf Entzündungen und Reizungen hat.

Darüber hinaus wird Eibisch aufgrund seiner feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften auch bei Hautreizungen und Entzündungen angewendet. Es ist besonders vorteilhaft für Tiere, die zu empfindlichen Schleimhäuten oder Verdauungsproblemen neigen. Eibisch ist auch als mildes Mittel zur Unterstützung der Schleimhautfunktion bei saisonalen Allergien oder Reizungen bekannt.

 

Ulmenrinde

Die Ulmenrinde (Ulmus rubra) wirkt ähnlich wie die Eibischwurzel, indem sie beim Kontakt mit Wasser eine schleimige Schicht bildet, die die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt schützt. In der Rinde finden sich vor allem Pektine, Glykoside und Flavonoide, die für ihre heilende Wirkung verantwortlich sind. Diese Inhaltsstoffe tragen dazu bei, eine schützende Barriere zu bilden, die die Schleimhäute vor Reizungen und Entzündungen bewahrt.

Die Ulmenrinde ist besonders bekannt für ihre beruhigende Wirkung auf den Darm und wird daher häufig bei Verdauungsproblemen eingesetzt. Aufgrund ihrer adstringierenden (zusammenziehenden) Wirkung hilft sie, die Darmbewegungen zu regulieren und kann bei akutem Durchfall sehr hilfreich sein, indem sie die Schleimhäute im Verdauungstrakt stabilisiert und die Ausscheidung von überschüssigem Wasser im Darm unterstützt.

Darüber hinaus wird die Ulmenrinde auch bei Magenreizungen und entzündlichen Darmerkrankungen verwendet, da sie Entzündungen lindern und die Regeneration des geschädigten Gewebes fördern kann. In der Naturheilkunde wird Ulmenrinde auch als mildes Heilmittel bei Blasenentzündungen oder als Unterstützung bei der Heilung von Wunden im Magen-Darm-Bereich genutzt, da ihre schleimige Konsistenz dazu beiträgt, die Heilung zu fördern.

 

Leinsamen

Leinsamen (Linum usitatissimum) ist eine wertvolle natürliche Quelle für Schleimstoffe, die im Verdauungstrakt eine beruhigende und schützende Wirkung entfalten. Diese Schleimstoffe binden reizende Substanzen im Verdauungstrakt und tragen dazu bei, deren schädliche Wirkung zu reduzieren. Sie wirken wie ein Schutzfilm auf den Schleimhäuten, der Reizungen mildert und Entzündungen vorbeugt, was besonders bei Magen-Darm-Beschwerden von Vorteil ist.

Darüber hinaus unterstützen die Schleimstoffe von Leinsamen die Regulierung der Darmbewegungen, indem sie sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall eine ausgleichende Wirkung haben. Sie fördern die Darmgesundheit, indem sie die Verdauung stabilisieren und die natürliche Peristaltik unterstützen, ohne dabei den Darm zu überlasten.

Neben den wertvollen Schleimstoffen enthalten Leinsamen auch Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und somit zusätzlich die Gesundheit des Magen-Darm-Systems fördern. Diese Fettsäuren tragen nicht nur zur Linderung von Entzündungen im Verdauungstrakt bei, sondern unterstützen auch das allgemeine Wohlbefinden, indem sie das Immunsystem stärken.

 

Zubereitung

 

Die Eibischwurzel wird idealerweise als Kaltauszug zubereitet, das heißt, sie wird mit kaltem Wasser angerührt und sollte dann eine Stunde ziehen, bevor der Schleim verabreicht wird. Bei der Ulmenrinde geht es etwas schneller, da sie direkt nach dem Ansetzen des Kaltauszugs verfüttert werden kann.

Die Herstellung von Leinsamenschleim erfordert etwas mehr Aufwand. Die Samen sollten mindestens 30 Minuten eingeweicht oder am besten über Nacht in Wasser quellen. Anschließend werden sie einmal kurz aufgekocht, sodass ein Schleim entsteht. Danach werden die Samen abgesiebt, sodass nur der reine Schleim des Leinsamens verwendet wird.

 

Anwendung

 

Schleimstoffe können täglich vor oder zwischen den Mahlzeiten verabreicht werden. Besonders in der Nacht, wenn vermehrtes Leerschlucken oder starkes Schmatzen auftritt, kann ein Schutz für die Schleimhäute besonders wichtig sein. In solchen Fällen kann die Gabe entweder vorbeugend am Abend oder direkt bei Bedarf in der Nacht erfolgen.

Im Idealfall nimmt der Hund den angebotenen Schleim selbstständig auf. Sollte der Hund diesen jedoch verweigern, kann die Gabe mit einem Plastiklöffel direkt ins Maul erfolgen. Alternativ kann auch eine Spritze (ohne Kanüle) verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Attraktivität durch eine kleine Menge Futter im Schleim zu erhöhen, um die eigenständige Aufnahme zu fördern. Wichtig ist, dass dabei möglichst kein Stress entsteht, damit die Gabe entspannt und ohne negativen Druck verabreicht werden kann – das wäre immer wünschenswert.

Allerdings sollten Schleimstoffe nicht als Dauermedikation eingesetzt bzw. betrachtet werden. Sie eignen sich hervorragend zur gezielten Unterstützung, sollten aber eher kurweise oder bei akuten Beschwerden angewandt werden. Bestehen die Beschwerden über einen längeren Zeitraum, ist es äußerst wichtig, der Ursache auf den Grund zu gehen, anstatt nur die Symptome zu behandeln und den Auslöser zu unterdrücken.

 

 

Wichtige Hinweise bzgl. der Gabe von Schleimstoffen

 

Ein wichtiger Hinweis in Bezug auf die Gabe von eingesetzten Schleimstoffen möchte ich noch einbringen. Diese können die Aufnahme von Nährstoffen und Medikamenten beeinträchtigen. Durch ihre „Schutzschicht“ auf den Schleimhäuten können sie die Resorption von Wirkstoffen und Nährstoffen verzögern oder auch verringern. Daher sollte ein zeitlicher Abstand zwischen der Verabreichung von Schleimstoffen und Medikamenten eingehalten werden. Es ist ratsam, Schleimstoffe mindestens 1–2 Stunden vor oder nach der Medikamentengabe zu verabreichen, um sicherzustellen, dass die Medikamente optimal aufgenommen werden und ihre volle Wirkung entfalten können. Bei Unsicherheiten kann auch ein Gespräch mit dem Tierarzt sinnvoll sein, um den genauen Abstand für den jeweiligen Fall zu klären.