Pankreatitis
Schmerzen quälen, doch oft bleibt das Leiden unbemerkt, weil es hinter alltäglichen Verhaltensänderungen abgetan wird
Die Pankreatitis ist eine ernsthafte und oft unterschätzte Erkrankung bei Hunden. Sie entsteht durch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die ihre Funktion erheblich beeinträchtigen kann.
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein zentrales Organ im Verdauungssystem und übernimmt sowohl stoffwechselregulierende als auch verdauungsfördernde Funktionen. Als endokrine Drüse produziert sie Hormone wie Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Gleichzeitig wirkt sie als exokrine Drüse, indem sie Verdauungsenzyme freisetzt, die für die Zersetzung und Aufnahme von Nährstoffen im Darm unerlässlich sind. Zusätzlich ist das Pankreas an der Regulierung des pH-Werts im Dünndarm beteiligt und produziert den Intrinsic Factor, der eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme von Vitamin B12 spielt.
Bei einer Pankreatitis beginnen die Verdauungsenzyme (exokriner Teil betroffen), die normalerweise erst im Darm aktiv werden, bereits direkt in der Bauchspeicheldrüse zu wirken. Dies hat zur Folge, dass das Organ sein eigenes Gewebe angreift und zersetzt, was zu einer entzündlichen Reaktion und Schwellungen führt und dazu sehr schmerzhaft ist. Aber auch Tumore die ggf. den Pankreassaft nicht korrekt abfliegen lassen, können eine Entzündung verursachen. Dazu kann die Entzündung der Bauchspeicheldrüse gleichzeitig auch die Nachbarorgane wie Magen, Bauchfell, Dünndarm, Leber oder auch die Milz schädigen.
Die Entzündung kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen. Je nach Schweregrad können die Symptome von milden, kaum bemerkbaren Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen mit multiplem Organversagen reichen.
Ursachen
Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Pankreatitis beim Hund auslösen können, zu den häufigsten gehören:
- Abrupte Erhöhung des Fettanteils in der Nahrung
- Unverträglichkeiten
- Stress
- Dysbakterie / Entzündungen im Darm
- Übergewicht, Adipöse Hunde haben ein erhöhtes Risiko, eine Pankreatitis zu entwickeln
- Fettstoffwechselstörungen
- Infektionen mit Toxoplasmen, Herpes, Viren, Bakterien, Babesien, Leishmanien
- Medikamente, viele Präparate wie Kortikosteroide, Antiepileptika, Schmerzmittel, Antibiotika usw.
- Endokrine Erkrankungen, Hunde mit Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen oder Morbus Cushing sind anfälliger für eine Pankreatitis, ebenso wenn eine Nierenerkrankung vorliegt
- Genetische Prädisposition; bestimmte Rassen wie z. B. Zwergschnauzer, Cocker Spaniel, Border Collie, Cavalier King Charles, Boxer, Yorkshire Terrier (…) haben genetische Veranlagungen hierfür
- Verletzungen im Bauchraum (z. B. Unfall oder im Spiel) können ebenfalls eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hervorrufen
- Lokale Durchblutungsstörungen z. B. nach Operationen oder bei Kreislaufstörungen
Symptome
Die Symptome einer Pankreatitis können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und hängen vom individuellen Krankheitsverlauf ab. Während akute Formen oft mit auffälligen Beschwerden einhergehen, verlaufen mildere Varianten oftmals "unauffällig" und werden nur zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt.
Dennoch sollte man wissen, das in schweren Fällen lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können. Darunter fallen z. B. Störungen des Säure-Basen-Haushalts, entzündliche Reaktionen des Immunsystems, akutes Nierenversagen und im schlimmsten Fall Multiorganversagen. Doch auch leichte Verläufe sind nicht harmlos: Auf Sicht kann das Pankreasgewebe geschädigt werden, was zu einer eingeschränkten Organfunktion führt. Diese begünstigt die Entstehung einer Pankreasinsuffizienz oder von Diabetes mellitus.
Zeigt ein Hund symptomatischen Auffälligkeiten, können diese sein:
- Appetitlosigkeit
- Erbrechen
- Durchfall (auch blutiger)
- Bauchschmerzen (gekrümmte Haltung, Empfindlichkeit bei Berührung – abdominaler Schmerz)
- Fieber oder Untertemperatur
- Schlechtes Allgemeinbefinden
- Lethargie
- Schwäche
- Dehydrierung (zu wenig Flüssigkeit)
- Gewichtsabnahme
- Hecheln (durch Schmerzen verursacht)
- Gelbfärbung der Schleimhäute (bei schwerem Verlauf)
Diagnose
Bereits im Routine-Blutbild können erhöhte Werte der DGGR-Lipase oder Amylase auf eine mögliche Pankreatitis hinweisen. Der aussagekräftigste Marker ist jedoch der canine Pankreas spezifische Lipase-Wert (cPLI). Dieser gibt Aufschluss über die Freisetzung von Enzymen aus geschädigten Azinuszellen der Bauchspeicheldrüse, die ausschließlich in diesem Organ produziert werden. Ein erhöhter cPLI-Wert im Blut gilt daher als wichtiger diagnostischer Hinweis auf eine Pankreatitis beim Hund.
Zusätzlich sind bildgebende Verfahren für eine genauere Diagnose empfehlenswert. Eine Ultraschalluntersuchung ermöglicht die Beurteilung der Bauchspeicheldrüse, insbesondere im Hinblick auf Schwellungen, Strukturveränderungen oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum.
Um verfälschte Laborwerte zu vermeiden, sollte das Tier mindestens 8 Stunden nüchtern sein – idealerweise 12 Stunden vor der Untersuchung.
Ergänzend können Röntgenaufnahmen des Bauchraums hilfreich sein, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt oder Tumore.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung der Pankreatitis richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und umfasst mehrere Maßnahmen:
- Diätanpassung: Eine fettarme und leicht verdauliche Ernährung ist entscheidend für die Heilung. Der Hund sollte eine speziell abgestimmte Diät erhalten, die die Bauchspeicheldrüse entlastet und weiteren Entzündungen vorbeugt.
- Medikamentöse Therapie: Bei akuter Pankreatitis werden Schmerzmittel (Analgetika) zur Linderung der Beschwerden sowie Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen verabreicht. Falls eine bakterielle Sekundärinfektion vorliegt, können auch Antibiotika erforderlich sein.
- Flüssigkeitstherapie: Eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr (Infusionstherapie) ist oft notwendig, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen, den Kreislauf zu stabilisieren und eine Dehydratation zu verhindern.
- In schweren Fällen kann ein stationärer Aufenthalt in einer Tierklinik erforderlich sein, um eine intensive Betreuung und Überwachung zu gewährleisten.
- Stressreduktion: Stress kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen, da er die Ausschüttung von Stresshormonen fördert, die sich auf den Verdauungstrakt auswirken. Ein ruhiges Umfeld, eine geregelte Tagesroutine und die Vermeidung von übermäßiger körperlicher Belastung sind wichtige Faktoren, um das Pankreas zu entlasten und die Heilung zu unterstützen.
- Überwachung und Nachsorge: Kontrolluntersuchungen sind essenziell, um den Heilungsverlauf zu beurteilen und Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören Blutuntersuchungen, Ultraschallkontrollen und die genaue Beobachtung des Allgemeinzustandes.
Fazit
Die Bauchspeicheldrüse ist ein sehr empfindliches Organ und sollte daher mit besonderer Sorgfalt behandelt werden. Ob eine aktuelle Entzündung eine akute Pankreatitis oder eine Verschlimmerung einer bereits bestehenden chronischen Form darstellt, lässt sich oft nur durch eine langfristige Beobachtung der Symptome und Krankheitsverläufe feststellen.
Um erneute Entzündungsschübe zu vermeiden, ist es essenziell, dass Hundehalter über die möglichen Auslöser einer Pankreatitis informiert werden. So können sie gezielt vorbeugende Maßnahmen ergreifen und das Risiko eines Rückfalls senken. Hunde, die bereits eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hatten, bleiben oft anfälliger für erneute Schübe.
Eine angepasste Fütterung spielt dabei eine zentrale Rolle. Da häufig Unverträglichkeiten eine Rolle spielen, sollte die Ernährung fettarm, leicht verdaulich und gut abgestimmt sein, um das Pankreas zu entlasten und weiteren Entzündungen vorzubeugen. Fütterungsfehler wie, Futter mit einem hohem Fettgehalt oder schwer verdaulichen Bestandteilen kann neue Schübe auslösen und sollte daher konsequent vermieden werden.
Auch Stress kann die Heilung negativ beeinflussen: Er kann verhindern, dass eine akute Pankreatitis vollständig ausheilt, oder dazu führen, dass eine chronische Pankreatitis immer wieder aufflammt. Daher sind eine stressarme Umgebung, eine stabile Tagesroutine und eine individuell abgestimmte Fütterung entscheidend, um die Bauchspeicheldrüse bestmöglich zu unterstützen und deren Heilung zu unterstützen.